Nachruf Egbert Haug-Zapp, Pfarrer i.R.

* 19.10.1938  † 01.02.2021

Ehemaliger Leiter der Evang. Ausbildungsstätten und des afw im Elisabethenstift
(Vorläufer der Pädagogischen Akademie)


Egbert Haug-Zapp verbrachte fünfzehn Jahre seines Berufslebens als Stiftspfarrer im Elisabethen­stift in Darmstadt. Zunächst als Leiter der Abteilung Fort- und Weiterbildung in den Anfängen der 1980er Jahre. Dann als Leiter der Evangelischen Ausbildungsstätten von 1993 bis 2001. Dazwischen verschlug es ihn aus privaten Gründen in die Pfalz, wo er als Studieren­den­pfarrer an der Hochschule Landau und in der kirchlichen Erwachsenenbildung tätig war. Zum Abschied 1984 hinterließ er im Freundesbrief des Elisabethenstiftes seine Gedanken über den Auftrag, der sich für ihn mit dem Namen der heiligen Elisabeth verbindet: „Immer legen diese Legenden eigentlich mutigere, weitergreifende Schritte nahe als Tages­ordnung, Opportunität und Toleranzgrenzen angeraten sein lassen.“

Er wollte gestalten, nicht verwalten und war dabei gerne auch risikobereit. Wichtig war ihm dabei, nichts im Alleingang zu unternehmen, Vernetzung war für ihn Garant für Erfolg. Die vier FFFFs galten als Zeichen gelingender Kooperation evang. Institutionen der Klein­kind­pädagogik:
Fachschule, Fortbildung, Fachberatung und Fachzeitschrift.

Mit Ausnahme der Fachberatung hatte er von allen   – wenngleich nicht immer zeitgleich – die Leitung inne. Während seiner Zeit als Leiter der afw legte er den Grundstein für einen engen fachlichen Austausch zwischen Fortbildung und Fachberatung. Gemeinsame Klausuren zur Pro­gramm­planung sowie Fachberaterinnen als Referentinnen in Kursen  bürgten für Entwicklung im Dialog. Als Chefredakteur der evang. Fachzeitschrift TPS holte er die Redaktion nach Darmstadt und sicherte über mutige ökonomische Konstruktionen deren Bestand und Ausbau zu einer heute nicht mehr wegzudenkenden pädagogischen Fachzeitschrift. In seiner Zeit als Leiter der Evangelischen Ausbildungsstätten war er gleichzeitig auch Trägervertreter des Kinderhauses und sorgte für einen Neubau und durch gezielte Per­sonal­politik für eine neue pädagogische Blüte des traditionsreichen pädagogischen Ortes.

Was er als Leiter der Evang. Ausbildungsstätten alles bewegt hat, kann man authentisch dem Beitrag des Kollegiums zu seiner Verabschiedung als Schulleiter entnehmen: „Egbert Haug-Zapp beschleunigte und beeinflusste den Fortgang der Ereignisse in einer Weise, die sich 1993 keiner vorzustellen vermochte... Um aus der Vision des Erhalts und Ausbau der Evang. Ausbildungsstätten und des Kinderhauses Wirklichkeit werden zu lassen, musste ständig an vier tragfähigen Säulen gearbeitet werden:

1.Sparen, 2.Kampf der Raumnot, 3.Entschulung der Ausbildung und 4.Qualitätssicherung.

  1. Säule: Haushaltskonsolidierung in einer Zeit knapper werdender finanzieller Mittel in Kirche und Staat hieß konsequenter Sparkurs, der die Betroffenen zuweilen an die Schmerz­grenze führte. Der Erfolg: Raus aus den roten, hinein in die schwarzen Zahlen. Das war die Grundsteinlegung für alle weitere Arbeit.
  2. Säule: Schaffung angemessener räumlicher Voraussetzungen für alle am Lehr- und Lernprozess Beteiligten. Das hieß u.a. Büroräume für KollegInnen statt Lehrer­zimmer für alle - Neue Bibliothek in Kooperation mit dem afw - und Ehemaliges Pfarrhaus wird Kinderhaus.
  3. Säule: Aufhebung des schulischen Stundentakts, keine Pausenklingel mehr – Kernteamsystem anstelle herkömmlicher KlassenlehrerInnen – ExpertInnen aus der Praxis geben Unterricht – Einzelne Kindergärten erhalten Deputatsstunden für Kooperation mit der Schule - 'Lernen vor Ort', in guten Praxiseinrichtungen, erhöhte die Ausbildungsqualität. 
  4. Säule: Steigerung der Konkurrenzfähigkeit unserer Einrichtung durch Sicherung und Verbesserung der Qualitätsstandards in einem Leitbildprozess. – Berufsfachschule für Sozialassistenz zunächst als Versuch, dann als Regelschule – Sonderkurse zur Fachhochschulreife  – EDV und Türkisch als Unterrichts­angebote.“

Zusätzlich muss aus heutiger Sicht hinzugefügt werden, dass das Projekt 'Arbeiten und Lernen', in seiner Zeit für Berufstätige entwickelt, heute ein wichtiges Angebot im Ausbildungs­spektrum in ganz Hessen geworden ist.

Egbert Haug-Zapp hatte ein Herz für die Studierenden und ihre Lebenslage. So half er mit, das Wohnangebot zeitgemäß in Richtung Wohngemeinschaften weiterzuentwickeln. Oder ließ herausragende Leistungen durch den von ihm gegründeten  Anna-Borchers-Preis aus­zeichnen. Wie er heute in der Erinnerung ehemaliger Studierender lebt, mag man aus diesen Worten herauslesen: „Für mich ist eindrücklich in Erinnerung geblieben, wie wert­schätzend und aner­kennend Herr Haug-Zapp im Umgang mit Studierenden war und dass Gespräche im Rah­men des religionspädagogischen Unterrichts von großer Offenheit und Verständnis für jugendliche Unsicherheiten geprägt waren.“                          

Die Rede des Kollegiums endet mit Worten des Danks, denen wir uns anschlie­ßen: „Danke, lieber Egbert Haug-Zapp, danke für diese Leistung. Und wir alle wissen, dass es weitergeht, denn der Weg ist das Ziel.

Dazu vergegenwärtigen wir uns einen Satz von ihm, den er im Jahr 2000 in 'Bildung und Diakonie' über die Utopie der Evangelischen Fachschule im Jahr 2000+ schrieb: „Alle Utopie beginnt mit einer sorgfältigen Analyse der gegenwärtigen Situation in all ihren systemischen Verflechtungen...Die Erinnerung an die biblischen Ursprünge schafft nicht nur als gefährliche Erinnerung ein Potential der Kritik an der Gegenwart, sondern vor allem und dadurch erst erweist sich der Rekurs auf die Bibel als diakonisch sinnvoll und unverzichtbar – ein Überschuss an Hoffnung.“

Christine Lipp-Peetz und Irmgard Wagner

 

Chefredakteur der Evangelischen Fachzeitschrift TPS


Einen bedeutenden Anteil seiner Lebenszeit widmete Egbert Haug-Zapp seiner publizis­tischen Arbeit. Von 1980 bis 1991 war er Chefredakteur der  Evangelischen Fachzeitschrift TPS (Theorie und Praxis der Sozialpädagogik). Sein journalistisches Können brachte der vormals als Zeitschrift für Evangelische Kinderpflege herausgegebene Monatsschrift neue Impulse und ein konsequent an der Arbeit mit Kindern orientiertes Profil, das auf dem Fachzeitschriftenmarkt gern angenommen wurde. Die pädagogische Arbeit in der Kita und die fachliche Begleitung von Erzieherinnen in ihrer anspruchsvollen Profession war für Haug-Zapp das Arbeitsfeld, für dessen Qualität und Weiterentwicklung er sich lebenslang engagierte. TPS war nicht nur eine Zeitschrift in der pädagogische Themen diskutiert und praxisnah aufbereitet, sondern wo auch die berufspolitischen Forderungen für die Arbeit in Bildung und Erziehung und in Kirche formuliert wurden.

Haug-Zapp war als verantwortlicherer Redakteur immer ein Fürsprecher für die Schwäch­sten in unserer Gesellschaft. Unter welchen Bedingungen Kinder gut aufwachsen können, welche Anerkennung und Ausstattung eine kindorientierte Pädagogik in den Bildungs­institutionen braucht, war für Haug-Zapp eine ständige Herausforderung. Er mischte sich mit Freude und Kompetenz in den Diskurs um die öffentliche Bildung ein. Die Erzieherin­nen in Kitas und in der Ausbildung verdanken ihm viel. Mit seiner publizistischen Beharr­lichkeit und seiner Kompetenz war er für viele seiner Mitstreiter*innen ein Vorbild.

Die vergessenen Namen von Frauen aus der Sozialpädagogik im 19. und  20. Jahrhun­dert, deren Einsatz  für Kinder und Familien von der (männlichen)  Geschichtsschreibung gern als „weibliches Arbeitsvermögen“ diskreditiert, wurden durch Haug-Zapp in vielen Veröffentlichung neu entdeckt und geehrt. Seine Spurensuche fand im Anna-Borchert Archiv seinen Ausdruck und bietet für die sozialgeschichtliche Forschung interessante Quellen.

Inge Pape