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Erfolgreicher Abschluss des ESF-Modellprogramms: Quereinstieg „Männer und Frauen in Kitas“

Darmstadt, 13. Juli 2020: Mit der Zeugnisvergabe und Verleihung der staatlichen Anerkennung endet das ESF-Modellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ an der Pädagogischen Akademie Elisabethenstift (PAE). 16 Teilnehmerinnen und 7 Teilnehmer im Alter von 26 bis 57 Jahren absolvierten die dreijährige erwachsenengerechte, berufsbegleitende Erzieher-Ausbildung. Die pädagogischen Fachkräfte waren allesamt Quereinsteiger und ursprünglich in den unterschiedlichsten Branchen tätig, von Einzel- und Großhandel, über Handwerk bis Bankenwesen.

Das Bundesmodellprogramm "Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas" ermöglichte an der PAE seit dem Schuljahr 2016/17 Berufswechslern eine erwachsenengerechte berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeit zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. Erzieher. Renata Brucculeri war in ihrem ersten Beruf Kauffrau im Einzelhandel: „Ich habe mich für das ESF-Programm entschieden, weil man die Möglichkeit bekommen hat, in die Schule zu gehen und parallel in die Praxiseinrichtung. Das Gelernte konnte gleich verknüpft werden mit der Praxis. Meine Erwartungen an das ESF-Programm haben sich dank der Lehrkräfte voll erfüllt. Ich wurde mit viel Wissen und Partizipation zu einer pädagogischen Fachkraft ausgebildet, dafür bin ich sehr dankbar“, resümiert die frisch gebackene Erzieherin.

Ein unverzichtbares Kriterium dieses Ausbildungsmodells war die Zahlung einer existenzsichernden Vergütung, die durch die Koppelung von Theorie und Praxis ermöglicht wurde. In der drei Jahre dauernden Ausbildung verliefen Theorie- und Praxistage parallel: Die angehenden pädagogischen Fachkräfte waren bereits während ihrer fachtheoretischen Ausbildung in einer Kindertageseinrichtung beschäftigt. Die PAE kooperierte dabei mit Kitaträgern im Großraum Darmstadt/Frankfurt. Absolvent Dominik Old war vor seiner Erzieher-Ausbildung Fachkraft für Abwassertechnik auf einer Kläranlage: „Durch meine ehrenamtliche Arbeit als Kinder- und Jugendtrainer und die daraus resultierenden Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen beschloss ich den Schritt zur Umschulung zu wagen. Mit der Unterrichtsvermittlung donnerstags und freitags konnte ich mein neu erworbenes Wissen montags in der Einrichtung direkt wieder umsetzten. Vieles, was ich früher als Trainer unbewusst getan habe, kann ich nun pädagogisch begründen.“

Das Programm „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Insgesamt 12 Träger bundesweit beteiligten sich an dem Modellprogramm. Im Jahr 2016/17 startete die erste Quereinsteiger-Klasse mit insgesamt 25 Teilnehmenden an der PAE, die bereits vergangenes Schuljahr ihre Ausbildung beendete. Nun endet mit der im Schuljahr 2017/18 gestarteten zweiten Klasse die Laufzeit des Bundesmodellprogramms. „Durch die stetige Begleitung der Studierenden in der Praxis (Kita) war es uns möglich, die beiden Lernorte so miteinander zu verknüpfen, dass der Theorie-Praxistransfer erfolgreich erlangt wurde. Die Verzahnung der beiden Lernorte, Lernort Praxis und Lernort Schule, war eine große Herausforderung an dieser Ausbildung, denn die Studierenden hatten zum Teil keinerlei Vorerfahrung im pädagogischen Bereich. Für Kindertagesstätten bedeutete die Anleitung eines praxisintegrierten Studierenden im Bundesmodellprogramm einen erhöhten zeitlichen Aufwand im Vergleich zur Anleitung im Berufspraktikum. Eine stetige Anleitung über drei Jahre und ein Diskurs in der Kindertagesstätte mit dem gesamten Team ist eine wichtige Gelingensbedingung für die praxisintegrierte Ausbildung“, beschreibt Projektleiter und Dozent Michael Bajerski rückblickend die Herausforderungen und Chancen dieses Ausbildungsmodells.

Die im Rahmen des Modellprogramms gewonnenen Erfahrungen konnten an der PAE zukunftsträchtig genutzt werden: die praxisintegrierte vergütete Ausbildung (PivA), ein alternatives Erzieher-Ausbildungsmodell, wurde mit dem Schuljahr 2019/2020 eingeführt und erfreut sich anhaltender Beliebtheit bei Bewerbern, so dass sie im Ausbildungsportfolio verstetigt wurde. Um die Koordination der Zusammenarbeit der Lernorte "Fachschule" und "Kita" kümmert sich ab dem neuen Schuljahr ein Praxiskoordinator. Florian Gantner betreute bereits während des ESF-Modellprogramms Studierende und Praxisstellen. „Die Arbeit in Form von drei Koordinationsstellen (Fachschul-Koordination, Kita-Koordination, Gesamtkoordination) hier in der PAE ermöglichte die Schaffung dieser modellhaften Ausbildung. Neue Ideen oder Rückmeldungen von Trägern, Einrichtungen oder Anleitern wurden gemeinsam ergründet und in die Ausbildung integriert, sodass wir dieses Modell schlussendlich erfolgreich in eine neu „PivA Ausbildung“ gießen konnten“, erläutert der Praxiskoordinator. In der vergüteten PivA-Ausbildung ist das Berufspraktikum in die zweite Hälfte der Ausbildung integriert (berufspraxisintegrierte Ausbildung). Die Ausbildung dauert so, inklusive des Berufspraktikums, drei Jahre. Die Verkürzung ist möglich, da es zu einer noch engeren Verzahnung zwischen dem schulischen Anteil der Ausbildung und der Tätigkeit in der Praxis kommt.

Die Pädagogische Akademie Elisabethenstift gGmbH

Die Pädagogische Akademie Elisabethenstift (PAE) ist eine diakonische Bildungsstätte, die im Bereich Erziehung, allgemeine Bildung, Berufs- sowie Fort- und Weiterbildung mit frühpädagogischem Schwerpunkt tätig ist. Im Kinderhaus bilden, erziehen und betreuen wir Krippen- und Kindergartenkinder. In den Evangelischen Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe (EvA) bilden wir pädagogische Fachkräfte (Sozialassistenten und Erzieher) für Kindertagesstätten und andere Bildungseinrichtungen aus und ermöglichen darüber hinaus allgemeinbildende Schulabschlüsse. Das berufliche Gymnasium mit der Fachrichtung Gesundheit und Soziales führt in drei Jahren Oberstufe zur allgemeinen Hochschulreife. Im Arbeitszentrum Fort- und Weiterbildung (afw) bilden wir pädagogische Fachkräfte in ihren fachlichen und persönlichen Kompetenzen weiter. Wir begleiten Entwicklungsprozesse in Kindertagesstätten und konzipieren für und mit unseren Kunden Angebote der Qualifizierung und Weiterentwicklung des pädagogischen Arbeitsfeldes.