Dozentin Christiane Benthin in die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises berufen

Die Dozentin für Kinder- und Jugendliteratur und Literacy-Bildung an den Evangelischen Ausbildungsstätten für sozialpädagogische Berufe, Christiane Benthin, wurde in die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises berufen. Sie wird 2019 erstmals in der Sparte „Bilderbuch“ mitentscheiden.

Welche Aufgaben hat ein Jury-Mitglied?

Einen Berg an Büchern wird Christiane Benthin die kommenden Wochen und Monate sichten und lesen, analysieren und bewerten. Die Lehrerin für Kinder- und Jugendliteratur und Literacy-Bildung wurde in die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises berufen. Ein aktuelles Jurymitglied schlug Christiane Benthin beim Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., der die Jury wählt, vor. Christiane Benthin musste sich mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und einer Liste an Publikationen bewerben. Und es hat geklappt – die Dozentin bekam kurz nach ihrer Bewerbung eine positive Rückmeldung, dass sie in die Jury in der Sparte „Bilderbuch“ gewählt wurde. Eine Weile musste sie Stillschweigen bewahren, bis sie postalisch die offizielle Berufung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bekam. Jetzt ist es bekannt und Christiane Benthin steckt schon mitten in der Juryarbeit.

Wie die Jurorinnen aller Sparten des Deutschen Jugendliteraturpreises, haben Christiane Benthin und ihre Co-Jurorin in der Sparte Bilderbuch, Maren Bonnacker, nun die schwierige Aufgabe, aus der Vielfalt aller Neuerscheinungen aus 2018 eine Vorauswahl von 25 Titeln zu treffen. Der Stichtag liegt im Oktober. Doch wie soll frau sich in der enormen Vielfalt und Vielzahl an Büchern entscheiden, eine Vorauswahl treffen? „Es geht um einen künstlerischen Anspruch, einen literarischen Anspruch und um die Inhalte bzw. Themen. Mir ist besonders wichtig, dass in den Büchern neue Wege in Sachen Bildgestaltung und Textgestaltung gegangen werden und Tabus in diversen Themen aufgebrochen werden“, erzählt Benthin. „Man muss die Perspektiven des Kindes mitdenken, man achtet auch literaturästhetische Aspekte wie Bild-Text-Interaktion oder besondere bildnerische Stile“, erläutert die Lehrerin. Bis zum Januar 2019 müssen alle Jurymitglieder die 25 vorausgewählten Werke von den jeweils anderen Sparten lesen und sich eine Meinung bilden, es findet bei einem Zusammentreffen aller Jurymitglieder in München eine weitere Vorauswahl aus den  je 25 Titeln statt. Diese wird nochmals genau „unter die Lupe genommen“. Nach weiteren vier Wochen müssen sich alle Jurymitglieder bei einem Zusammentreffen auf sechs Nominierungen pro Sparte einigen, die auf der Leipziger Buchmesse bekannt gegeben werden. Aus diesen sechs Nominierten wählen alle Jurymitglieder dann im Herbst, rechtzeitig vor der Frankfurter Buchmesse, gemeinsam die Gewinner aus den jeweiligen Sparten.

Der Deutsche Jugendliteraturpreis

Der Deutsche Jugendliteraturpreis wird jährlich seit 1956 verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestiftete Preis wird vom Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V. organisiert, der die Kritikerjury für die Dauer von zwei Jahren wählt.

Ziel des Preises ist es, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit zu stärken und Orientierung in der Vielfalt an Büchern zu bieten. „Es gibt aber auch ein historisches Anliegen: Im Nachkriegsdeutschland sollte der Preis zu einer neuen kulturellen und internationalen Vielfalt in der Kinder- und Jugendliteratur beitragen und einer gewissen politischen Verpflichtung nachgegangen werden, Kinder zu mündigen Bürgern zu erziehen“, schildert Christiane Benthin.

Die Sieger des Deutschen Jugendliteraturpreises aus den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch sowie die Wahl der Jugendjury werden jährlich auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben und ausgezeichnet. Außerdem werden im Jahr 2018 Sonderpreise im Bereich „Gesamtwerk“ und „Neue Talente“ an herausragende Übersetzerinnen und Übersetzer verliehen.

Christiane Benthin über ihr Lieblingskinderbuch

Christiane Benthin: "Auf die Frage nach meinem Lieblingsbilderbuch fiel zuerst ein: „Oh weh! – Ich habe viele Lieblingsbilderbücher!“  Nach kurzer Überlegung habe ich mich für „Das ist nicht mein Hut“ entschieden. Bilder und Text kommen bei diesem Buch aus der Hand des kanadisch-amerikanischen Animationskünstlers, Schriftstellers und Illustratoren Jon Klassen. Die Übersetzung aus dem Englischen hat Thomas Bodmer geleistet. Es ist 2013 in Zürich beim NordSüd-Verlag erschienen.

„Wo ist mein Hut“ erzählt die Unter-Wasser-Geschichte eines kleinen Fisches, der den Hut eines großen Fisches gestohlen hat. Aus der Ich-Perspektive lässt uns der kleine Fisch an seinen Gedanken zu diesem Diebstahl teilhaben: er ist sich darüber bewusst, dass er etwas Verbotenes getan hat. In seinem Kopf setzt er sich mit Argumenten auseinander, welche sein Handeln dennoch moralisch rechtfertigen könnten – weil er diesen Hut so gerne besitzen möchte. Wir Betrachterinnen und Betrachter schwimmen scheinbar mit dem Fisch durch die Unterwasserwelt; die Bilder zeigen uns aber Perspektiven, die uns mehr über das Geschehen zeigen, als es der kleine Fisch sehen kann. Die Äußerungen des kleinen Fischs  und die erweiterten Perspektiven für das Auge der Betrachter*innen machen das Buch unglaublich spannungsreich – auch über die letzte Seite hinaus! Groß sind die Bilder, knapp und präzise formuliert der Text. Nur als Ganzes gesehen können sie die Geschichte in all ihren Dimensionen erzählen. Jon Klassens Bilder sind einfach und dabei sehr wirkungsvoll, wie ich finde. Sie wirken ein wenig wie handgearbeitete Collagen. Auf die Frage, wie er seine Bilder gestaltet, antwortete er: „In der Trickanimation habe ich immer am Computer gearbeitet und deswegen habe ich so auch meine ersten Bücher gemacht. Aber wenn man nur digital arbeitet und die Zeichnungen dann druckt, erkennt man einige versteckte Tricks plötzlich doch und zudem sieht alles kantiger aus. Jetzt zeichne ich mit Tinte und Stiften die Figuren und Hintergründe jeweils auf separatem Papier, denn ich bin nicht so gut darin wie ich sollte, ein ganzes Bild zu zeichnen. Dann baue ich die Teile wie ein Puzzle am Computer zusammen.“ (https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_literatur/article124984239/Das-Geheimnis-hinter-den-Bildern.html aufgerufen am 26. 3.2018).

Dieses Buch hat Ernst und Witz zugleich, das macht es für mich so besonders. Es ist ironisch – aber wenn man diese Ironie (noch) nicht versteht, weil man noch ein sehr junges Kind ist, lässt die Geschichte auch einfachere, dennoch bedeutsame Deutungen zu. Kinder ab drei Jahren können es genauso angeregt betrachten wie Erwachsene!

Solche Bilderbücher: schlau und voller Witz, originell in den Mitteln der Illustration, präzise im Text, ohne umständlich zu sein, offene Deutungsmöglichkeiten, mit sympathischen Figuren, die mehr als nur niedlich sind und keine allzu glatten Charaktere haben – die gehören ganz klar zu meinen Lieblingsbilderbüchern."