Die PAE liest im Juni ...

Im Juni stelle ich als „Buch des Monats“ ein Sachbuch vor: „Extremismus“, verfasst von Anja Reumschüssel, erschienen bei Carlsen in der noch jungen Reihe „Klartext“. Diese Reihe darf insgesamt als große Bereicherung in der Jugendliteratur zur politischen und gesellschaftlichen Bildung gesehen werden. Im zurückhaltenden Taschenbuchformat, dabei augenfällig in der Umschlaggestaltung und zum erfreulich erschwinglichen Preis kommt hier kluge Lektüre. Kompliziertes ist einfach formuliert und dabei perspektivreich dargestellt. Empfohlenes Lesealter: ab 14 Jahre.

Die Autorin: Anja Reumschüssel, geboren 1983, Publizistin, Soziologin und Theologin. Weltweit hat Frau Reumschüssel gelebt und gearbeitet, heute ist sie als freie Journalistin, Autorin und Reporterin international tätig. In unterschiedlichen medialen Kontexten veröffentlicht sie unter anderem für Spiegel-online, den „STERN“, Geo-Wissen und „ze-tt“. Auch, so erzählt es das kurze Portrait vorne im Buch, haben Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster extremer Ansichten ihre Perspektive geprägt. Diese, so scheint es, basiert auf einer sehr offenen, positiv neugierigen Grundhaltung, die die Dinge zu klären sucht und Haltung zeigt, ohne vorschnell zu bewerten.

So wie es Kennzeichen der Reihe ist, öffnet auch beim hier vorgestellten Band eine Kurzdefinition des Titel-Themas direkt auf der vorderen Umschlagseite das Interesse: „Extremismus (Substantiv, maskulin): Das politische oder religiöse Streben nach einer neuen Gesellschaft. Extremisten lehnen den demokratischen Verfassungsstaat ab. Mit Schriften, Protesten und Veranstaltungen setzen sie sich für ihre Ziele ein. Und wenden manchmal auch Gewalt an.“ Der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt einen sehr schlüssig gestalteten Aufbau. Frau Reumschüssel legt zunächst kurz und knapp die wichtigsten Grundlagen in Form einer Darstellung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und des demokratischen Verfassungsstaats, des Rechts- und Sozialstaats sowie des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Im Anschluss wird ein umfassender Blick auf die unterschiedlichen Strömungen des Extremismus genommen, auch eine Definitionskritik lässt die Autorin nicht aus. Überaus differenziert stellt die sie anschließend sowohl Rechts- als auch Linksextremismus im Kontext der Deutschen Geschichte dar, um sich dann in zwei groß angelegten Kapiteln sowohl dem politischen Extremismus als auch dem religiösen Extremismus zuzuwenden. Am Ende dieser beiden Kapitel gibt die Autorin jeweils einen Denkanstoß – und beschließt im letzten Teil des Buches unter der Überschrift „Maßnahmen gegen Extremismus“ ihre Analysen mit einem fundierten Blick nach vorn. Hört sich trocken an? Weit gefehlt. Anja Reumschüssel schreibt in einer einfachen, anschaulichen und damit verständlichen Sprache. Man versteht leicht, von Seite zu Seite „fällt ein Groschen“ und dieser Erkenntnisgewinn in rascher Folge treibt zum Weiterlesen an. Damit wird einer breiten Gruppe von Leserinnen und Lesern Zugang zu Wissen ermöglicht, das jeder braucht, um nicht selbst an den Leimruten extremistischer Sichtweisen hängen zu bleiben.

Reumschüssel, Anja (2018): Extremismus. Carlsen Klartext, Hamburg, Carlsen Verlag.

ISBN: 978-3-646-92821-1; Preis: € 6,99

besprochen von Christiane Benthin