Die PAE liest im April ...

Das Buch des Monats April ist ein Kinderbuch. Genauer gesagt: ein Kinderkrimi.  „Jacky Marrone jagt die Goldpfote“ unterhält mit einer spannenden Handlung und geistreichem Witz. Beides trifft sowohl auf die Textgestaltung als auch auf die zahlreichen Illustrationen zu. Dieser erste Band macht direkt neugierig auf die folgenden. Er wurde im März für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019  in der Sparte Kinderbuch nominiert.

Franziska Biermann ist seit 1999 eine feste Größe auf dem deutschsprachigen Bilder- und Kinderbuchmarkt. Sie schreibt und illustriert mit Erfolg; für ihr Bilderbuch „Herr Fuchs mag Bücher“ wurde sie mit dem Troisdorfer Bilderbuchpreis ausgezeichnet. Ihr Zeichenstil mit hohem Wiedererkennungswert erinnert an Cartoons. Ihre besondere Liebe zu Füchsen hat sie vermutlich zur Erfindung des Detektivs „Jacky Marrone“ inspiriert …  (vgl. http://franziskabiermann.de/vita/ aufgerufen am 29. März 2019)

Jacky Marrone, ein Fuchs im Trenchcoat, hat sich kürzlich als Privatdetektiv selbstständig gemacht. Anfangs läuft das Geschäft noch recht schleppend, denn sein gut getarntes Büro zeigt sich nach außen so diskret, dass er sogar selbst bisweilen schon an der Eingangstür vorbeigelaufen ist. Während er sich nun mit 10 x 1 Minute Kopfstand an der Wand, dem Rückwärtsbuchstabieren der Bastelanleitung für einen Lügendetektor und ähnlich kreativem Zeitvertreib die Warterei schönredet, nähert sich seine erste Kundin: „Mein Name ist Bolte“, berichtet die aufgeregte Frau ganz atemlos. „Ich bin die Witwe von H.G. Bolte, dem bekannten Hühnerforscher.“ Ein goldenes Huhn ist ihr gestohlen worden – das einzige noch lebende Exemplar aus der Gattung der Goldhühner! Witwe Bolte ist verzweifelt und Jacky Marrone alsbald auf heißer Spur. Mithilfe einiger nützlicher Hilfsmittel aus dem „Fachgeschäft für Agentenzubehör“, wie beispielsweise den „Super-Lauschern“, „Sprühseil extra“ aus der Dose und den unverzichtbaren Schrumpftropfen, stößt er schon bald auf atemberaubende Zusammenhänge und gerät in unerwartete Gefahren. Mehr sei vom Inhalt nicht verraten, es ist ja ein Krimi.

Noch mehr Neugier wecken möchte ich allerdings, indem ich ein wenig über Illustration, Textgestaltung und kleine literarische Verweise berichte, die das Buch ganz besonders machen. Die pfiffigen Bilder lockern den Text durchgehend auf, Schriftgröße und Zeilendurchschuss erleichtern auch Leseanfänger*innen oder eher ungeübten Leser*innen zusätzlich die Lektüre. Unterschiedliche Schriftgrößen interpretieren die Bedeutung der jeweiligen Textpassage. Die Sprache hat Niveau, ist aber dennoch aus meiner Sicht leicht verständlich. Die Sätze sind schön formuliert aber nicht zu lang. Kurze Kapitel geben eine angenehme Struktur und  erleichtern damit aus meiner Sicht das sinnerfassende Lesen. Besonderer Witz erschließt sich den Märchenkenner/innen: R. Stilzchen heißt der Besitzer des Pfandleihhauses, jemand hat sich an einem Apfelstück verschluckt und ist daran erstickt, auch die Grimmstraße kommt vor. Es tut dem (Vor-)Lesevergnügen aber gewiss keinen Abbruch, wenn man die Anspielungen nicht zu deuten weiß.  Und wer die Geschichte fertig gelesen hat, kann noch das Gitterrätsel auf dem vorderen Vorsatzpapier lösen. Ich verrate nicht, wo sich die Auflösungen befinden …

Biermann, Franziska (2018): Jacky Marrone jagt die Goldpfote, München, Dtv Junior.
(Empfohlen ab 7 J.)

ISBN: 9783423762304 Preis: €12,95

besprochen von Christiane Benthin