Advent und Weihnachten in den Evangelischen Ausbildungsstätten

Auch wenn die traditionelle Adventsandacht oder das Weihnachtskonzert nicht stattfinden konnten - durch eine kreative Alternative für die diesjährige Advents- und Weihnachtszeit konnte in dieser unabwägbaren Zeit etwas von dieser Stimmung und Gefühl in den Ev. Ausbildungsstätten zu spüren und auch zu sehen sein.

Eine Gruppe Studierender aus der Fachschul-Klasse 01FS3 bauten zunächst eine leere, noch unbelebte Krippenlandschaft auf. In 25 Klassenräumen fanden sich seit dem Montag nach dem 1. Advent jeweils eine Holzfigur und ein für jede Klasse an sie persönlich adressierter Umschlag dabei mit einem erläuternden Brief, einem Text (Geschichte, Gedicht oder Sachtext) und einer leeren Karte. Bis einschließlich Freitag, den 11. Dezember, waren die Klassen eingeladen, die leere Karte mit einem Wort, einem Satz, einem Gedanken, einem Gruß oder einer Botschaft zu versehen und sie mit der Figur in der Krippenlandschaft aufzustellen.

So füllte sich die Krippenlandschaft nach und nach, immer mehr dieser wunderschönen Holzfiguren, Maria, Josef, Engel und Hirten, zogen ein - daneben die von den Klassen gestalteten Karten mit Gedichten, Wünschen und Zeichnungen. Am Montag, dem 14. Dezember, wurde die Krippe durch das Jesuskind „vervollständigt“. Begleitet wurde die Aktion mit Geschichten und Texten. So folgende Geschichte von Dozentin Astrid Archinal über "Elias, den alten Hirten":

Es war in einer dieser klaren kalten Win­ter­nächte. Wir hatten ein Feuer ent­zündet. Auch die anderen waren ge­kommen. In jenem Jahr waren Wöl­fe in der Gegend und wann immer es mög­lich war, taten wir uns mit unse­ren Herden zusammen und wachten, be­sonders nachts, gemeinsam über sie.

Samuel hatte gerade die Geschichte von seinem kleinen weißen Schaf er­zählt, das sich nicht scheren lassen wollte. „Wie schön wäre es, wenn es kei­ne Wölfe mehr gäbe!“ sagte er. Doch Jakob, der Realist, meinte: „Was für ein Quatsch! Solange es Schafe gibt, wird es auch Wölfe geben, die sie reißen.“

Da fiel mir eine alte Geschichte ein. Sie kannten sie wohl gar nicht. Deshalb erzählte ich ihnen von der Weissagung. Einer unserer Propheten hatte vor langer Zeit verheißen, dass die Zeit käme, in der die Wölfe friedlich mit den Schafen grasen und niemandem etwas zuleide tun. Samuel fragte, wann sie endlich käme, diese Zeit.

Ich dachte lange nach, ob ich ihnen davon erzählen sollte, dass eines Tages Gott selbst auf die Erde käme oder ob sie mich dann für verrückt erklären würden. Ich hatte einen tieferen Glauben als die meisten von ihnen. Sie waren gute Hirten, doch die alten Geschichten, die uns so viel Kraft geben konnten, kannten sie nicht.

Es war eine kalte Nacht und wir saßen dicht beim Feuer und ich dachte, diese Geschichte könnte ihre Herzen wärmen. So erzählte ich davon, dass eines Tages Gott in Gestalt eines Menschen auf dieser Erde geboren werden würde. Ich erzählte, dass dann alle Feindschaft auf Erden aufhörte und endlich Friede bei den Menschen und unter den Tieren wäre. Und als ich gerade beschrieb, wie das Volk, das im Finstern wandelte, auf einmal ein Licht sehen würde, das ihm Hoffnung gäbe, da war von der Straße ein Lied zu hören. Eine Frau sang und ihr Lied war so schön, dass wir spürten wie sich ein heiterer Frieden in unseren Seelen ausbreitete. Wir schauten, ob wir etwas sähen, doch wir sahen nur einen älteren Mann, der mit seiner schwangeren Frau und einem Esel Richtung Bethlehem zog.

Als wir uns wieder um das Feuer niederließen, sahen wir die Schafe. Auch sie hatten sich der Straße zugewendet und hinter ihnen lagen die Wölfe.

Ich nahm dieses Bild in mir auf und schwieg für den Rest der Nacht.

Die Anderen erzählten mir später, meine Augen hätten geleuchtet.

Weihnachtskrippe