Die PAE liest im März ...

Das Buch des Monats März ist ein Bilderbuch. Weil der Frühling naht und es damit allmählich auf Ostern zugeht, wurde eine Hasengeschichte ausgewählt. Wer aber jetzt denkt, es sei eine Osterhasengeschichte, der irrt sich. Die harmlos-nostalgische Anmutung der Pastellzeichnungen wirkt vielleicht als  Lockvogel für diejenigen, die das Niedliche im Bilderbuch suchen. In Wahrheit erwarten uns zwei ziemlich wilde Kinder zwischen den Buchdeckeln. Es ist ein Bilderbuch ohne Text und das Debut der niederländischen Künstlerin Daphne Louter.

Daphne Louter wurde 1975 in der Stadt Heiloo in den Niederlanden geboren. Sie studierte in Den Haag Druckgrafik und anschließend Illustration in Schottland, dort lebte sie viele Jahre. Über ihre Arbeit sagt sie: „In my work I try and combine all the things I love in art. The North European colour palette, subdued light and tonal greys. A sense of the absurd combined with my love of animals.” (www.daphnelouter.com/about.html; aufgerufen am 09.01.2019)

Das Buch erzählt aus einem scheinbar ganz normalen Alltag im Leben von zwei sehr niedlich aussehenden Hasenkindern in Menschenkleidung, mitten in einem Landhausidyll und dazugehörigem Garten. Auf der rechten Buchseite sieht man jeweils eine bühnenartig zusammengestellte Szene; wie durch ein Schlüsselloch darf man dem Tun der beiden zuschauen und den Ort, an dem sie sich gerade befinden, in Ruhe betrachten. Auf der linken Buchseite, immer auf pastellfarbenem Hintergrund, ist ein einzelner Gegenstand aus der Szene vergrößert dargestellt, er wirkt wie „herangezoomt“. Dieser findet sich dann auf der nächsten Seite noch einmal in einem anderen Kontext. Das hört sich nostalgisch und wenig innovativ an? Stimmt, aber was das Buch so besonders macht, sind diese beiden Hasen und ihr völlig versunkenes, selbstvergessenes, ziemlich frech-anarchisches Tun. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich hier ein genüssliches Treiben in einem ziemlichen Durcheinander. Kein einziger Erwachsener ist zu sehen, kein Kindergarten oder Schule holt die beiden aus ihrer „Villa Kunterbunt“ heraus, außer einem Einkauf in einem Süßwaren- und Festartikel-Geschäft, wobei man vom Verkäufer auf der Leiter nur die Zebrabeine sieht. Zwar: sie halten einen ordentlichen Tagesablauf ein. Aufstehen, Frühstücken, verschiedenes wird gespielt, es wird gegessen, abends brav Zähne geputzt, noch ein bisschen gelesen und ins Bett gegangen. Aber diese Alltagshandlungen nimmt Daphne Louter schön aufs Korn. Die beiden sind nicht brav. Sie machen ordentlich Schweinerei, das Haustier Huhn spratzt sein Geschäft mitten auf den Badhocker, Popcorn kullert aus der übervollen Schüssel überall hin, mit dem Trinkhalm wird tüchtig Schaum in die Milch geblubbert bis dieser sich über den Rand hinaus ausbreitet, Partyhütchen und Tröten (übrigens im Maul eines Pferds beim anscheinenden Geburtstag-Spielen mit Freunden im Garten) liefern das Abbild eines ziemlich wild absurden kleinen Lebens. Viele der Requisiten zeigen, dass es der Künstlerin an feinem Humor und deutlichem Witz nicht fehlt. Dass sie eine der Hauptfiguren auch noch Hasenpantoffeln tragen lässt ist ein sehr sympathischer Beweis ihrer Ironie. Das Buch weckt Vorstellungskraft zum ganzen möglichen Drumherum der Geschichte; es fordert dazu heraus, Kontexte zu erfinden und ins freie Erzählen zu kommen, was Kindern ab drei Jahren gemeinsam mit Erwachsenen jeden Alters vermutlich großes Vergnügen bereiten wird.

Louter, Daphne (2018): Hasentage.Frankfurt a. M., Sauerländer.

ISBN: 9783 737 355650 Preis: € 14,99

besprochen von Christiane Benthin